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Ein guter Draht zu Demenzkranken
Für jeden Tag ein kleines Lächeln

Karl-Heinz Rentsch (88) freut sich immer über den Besuch von Andrea Teschner. Den kleinen Hund Ella hat er schon in sein Herz geschlossen.
Karl-Heinz Rentsch (88) freut sich immer über den Besuch von Andrea Teschner. Den kleinen Hund Ella hat er schon in sein Herz geschlossen. FOTO: Angelika Brinkop / LR
Cottbus/Burg.. Von Angelika Brinkop

Die Betreuung von Demenzkranken ist nicht immer einfach. Doch Andrea Teschner liebt ihre Arbeit und kann sich in Menschen, die langsam ihre Erinnerungen verlieren, gut hineinversetzen.

Die 52-Jährige ist eigentlich durch einen Zufall zu ihrem Beruf gekommen. „Ich habe gerade im Westen gearbeitet, als mein Bruder einen schweren Unfall hatte. Da habe ich mir geschworen, dass ich nach Burg zurückkomme und mein Leben umkremple, wenn er überlebt“, erzählt Andrea Teschner. Ihr Bruder hat überlebt, und sie hat einen beruflichen Neustart in der Pflege begonnen. Dazu gehörte auch eine Ausbildung zur Pflegekraft und Betreuungsassistentin für Demenzkranke. Das ist jetzt acht Jahre her. Die Entscheidung hat Andrea Teschner keinen Tag bereut.

Ihre Idealvorstellungen von der Pflege ließen sich in verschiedenen Pflegeeinrichtungen nicht umsetzen. Darum hat sie sich entschieden, sich selbstständig zu machen. „Am Anfang habe ich ein bisschen Angst gehabt, da ich mich auch mit den ganzen Formalitäten nicht so gut auskannte, aber mittlerweile läuft es richtig gut“, sagt sie. Von Angehörigen Demenzkranker wird sie oft weiterempfohlen. „Die Grenzen zwischen dem Beruf und der Freude, mit jemanden Zeit zu verbringen, den ich gern mag, verwischen oft. Diese Arbeit ist einfach perfekt für mich“, sagt Andrea Teschner. Zu ihren Aufgabengebieten gehören neben der Betreuung Demenzkranker auch hauswirtschaftliche Dienstleistungen. Sie hilft Anträge bei Behörden zu stellen und begleitet Patienten zum Arzt.

Andrea Tescher weiß, dass es Angehörigen oft schwerfällt, den körperlichen und geistigen Verfall ihrer Eltern mitzuerleben. Darum kann sie mit professioneller Distanz oft besser auf Demenzkranke eingehen. Sie hat angefangen, ihre Erlebnisse aus dem Pflegealltag aufzuschreiben und beim Schreibwettbewerb „Cottbus querbeet“ eingereicht und vorgelesen. „Ich stelle mir vor, dass das Gehirn aus vielen Schubladen besteht. Irgendwann leert sich bei Demenzkranken eine Schublade nach der anderen, und die Erinnerungen liegen auf dem Boden. Dann beginnt die Suche nach der einen Erinnerung, die hängengeblieben ist“, erzählt Andrea Tescher. Die schönste Anerkennung für ihre Geschichte war, dass am Ende eine Zuhörerin so berührt war, dass sie weinte.

Die Pflegerin sieht ihre Aufgabe darin, ihren Patienten jeden Tag so angenehm wie möglich zu machen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Sie versucht, den alten Menschen das Gefühl zu geben, dass sie noch gebraucht werden und helfen können. Darum geht sie mit ihnen auch gern in das Cottbuser Tierheim. „Ich erzähle, dass die Katzen gestreichelt werden müssen, damit es ihnen gut geht. Und tatsächlich tut das Streicheln beiden Seiten gut“, sagt Andrea Tescher.

Die Pflegerin hat sich jetzt auch einen kleinen Hund zugelegt, den alle lieben. Ella soll als Therapiehund ausgebildet werden. Der Kontakt zu Tieren tue den alten Menschen gut. Auch Alltagsaufgaben lieben ihre Patienten, so geht sie mit ihnen auch Einkaufen. „Am besten, wenn es richtig voll ist, denn die Betroffenen möchten einfach zum Leben dazugehören“, erzählt sie schmunzelnd. Wenn sie es schafft, den Demenzkranken ein gutes Gefühl zu vermitteln, bleibe das oft den ganzen Tag bestehen, obwohl sie sich an Einzelheiten nicht mehr erinnern können.