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Die Natur hinkt hinterher
Erstmals Ostern ohne Spargel

Spargel aus der Region kommt diese Ostern nicht in den Topf. Da es bisher so kalt war, hängt das Gemüse mit dem Wachstum etwas hinterher.
Spargel aus der Region kommt diese Ostern nicht in den Topf. Da es bisher so kalt war, hängt das Gemüse mit dem Wachstum etwas hinterher. FOTO: Frank Hammerschmidt / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Region. . Mit Ostern hält normalerweise auch der Frühling Einzug. In diesem Jahr will die Natur allerdings noch nicht so richtig erwachen. Auf Spargel muss erstmals verzichtet werden und auch die Frühlingsblüher sind nur spärlich zu sehen.

Ostern ohne Spargel – das hat es schon lange nicht mehr gegeben. „Wir haben alles getan, was zu einer Verfrühung beiträgt, aber wir können nicht zaubern“, sagt Spreewaldbauer Karl-Heinz Ricken aus Vetschau. Der späte Frost habe die gesamte Zeitrechnung durcheinander gebracht. „Wir hätten liebend gern Ostern den ersten Spargel angeboten, und ich selbst habe mich auch schon auf das erste Spargelgericht gefreut“, sagt Karl-Heinz Ricken.

Importierter Spargel kommt bei ihm aber nicht auf den Tisch: „Wir müssen uns gedulden. Wenn die Temperaturen steigen und sich die Sonne blicken lässt, beginnen wir am Freitag nach Ostern voraussichtlich mit der Ernte.

Sobald es wärmer wird, wächst auch der Spargel schnell. Die Natur holt dann schnell auf“, sagt der Spreewaldbauer. Unter dem zurückgekehrten Winter gelitten haben auch die Beet- und Balkonpflanzen in Rickens Schlossgärtnerei in Lieberose. Stiefmütterchen, Primeln, Tausendschön und andere Frühblüher mussten den Härtetest bestehen. „Die Pflanzen, die Schäden gezeigt haben, haben wir ausgeputzt und in unserer Anlage in Vetschau ausgepflanzt. Dort blüht es jetzt schon richtig schön. Die anderen Töpfe sind in den Verkauf gegangen“, sagt der Landwirt.

Dass die Vegetation in diesem Jahr hinterherhinkt, bestätigt auch Bernd Starick von der Bauern AG Neißetal. „Im vorigen Jahr standen die Wiesen zu diesem Zeitpunkt schon voller Krokusse.“ Zwar sei der Rückstand, den die Landwirte aufgrund des Wetters hätten, derzeit noch überschaubar, aber „so langsam sollte es jetzt losgehen, beispielsweise mit dem Säen der Zuckerrüben“, so Starick weiter, der auch davon ausgeht, „dass die Natur diesen Rückstand schnell wieder aufholt.“ Ansonsten habe die Agrargenossenschaft den Winter bis auf einige Frostschäden gut überstanden.

Auch für Michael Lehmann, Geschäftsführer vom Kreisbauernverband Elbe-Elster, könnte sich Petrus nun freundlicher zeigen – doch aktuell sieht die Wetterprognose mies aus: Ostern wird verregnet, verschneit und kalt.  „Die Äcker sind viel zu nass und kaum zu bearbeiten“, sagt Lehmann. Dass die Felder aktuell noch nicht bestellbar sind, verzögere alles. Inwiefern die Kälte der vergangenen Wochen Schaden bei Wintergerste oder Raps angerichtet hat, sei noch nicht abzusehen und werde sich erst zeigen.

Auch, wenn das bisher kalte Frühjahrswetter für ein Ostern ohne Spargel sorgt, für Obst kann das jetzige Wetter durchaus vorteilhaft sein. Klaus-Peter Manig von der Staudengärtnerei in Uebigau rechnet damit, dass es viel Obst geben wird. „Da die Obstblüte hinterherhängt, ist die Gefahr viel geringer, dass die Blüten erfrieren.“ Wäre es etwa im Februar sehr mild gewesen und die Obstbäume hätten bereits ausgetrieben, würde Frost im März oder April großen Schaden anrichten.

Doch nicht nur die Obstblüte, auch andere Blühpflanzen hängen gut 14 Tage hinterher. Da heißt es: Geduld haben. Klaus-Peter Manig ist sich aber in jedem Fall sicher: Der Frühling kommt bestimmt.