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E-Sport
Neues Level: Vereinsgründung

Cottbus. Ein Cottbuser Verein macht sich für den E-Sport in der Lausitz stark. Von Stephan Meyer

„Die Telefone laufen momentan heiß“, erzählt Patrick Schölzel. Grund für das pausenlose Klingeln seines Handys ist der erste Cottbuser E-Sport-Verein, den der 26-Jährige vor einer Woche mit fünfzehn Gleichgesinnten gegründet. hat. E-Sport, kurz für elektronischer Sport, ist ein Wettkampf zwischen mindestens zwei Computerspielern. Es gibt nationale, wie internationale Wettbewerbe, bei denen hohe Preisgelder ausgelobt werden.

Aktuell erhalte der neue Verein viele Anfragen, so der Vorsitzende. Angefangen habe alles vor einem Jahr, als er die Initiative „Cottbus e-Sports“ ins Leben rief. Vergleichbare Projekte gab es bereits in Magdeburg und Leipzig. Schölzel, der selber aktiver E-Sportler ist, war überzeugt: „Was die können, kann Cottbus auch“. 2016 sei dann das öffentliche Interesse an der Nische E-Sport gestiegen. Die Sportschau berichtete erstmals darüber, und Wettkämpfe wurden im Privatfernsehen übertragen. Im Sommer 2017 veranstaltete der Cottbuser dann regelmäßig Stammtische in der Unbelehrbar, aus denen der Verein hervorging.

Die E-Sportler wollen sich aber nicht nur in Cottbus engagieren. Zukünftig sollen die Stammtische des Vereins auch in anderen Orten in der Lausitz durchgeführt werden. Kontakte gebe es bereits nach Senftenberg und Hoyerswerda.

Vor allem Öffentlichkeitsarbeit hat sich der Verein in seiner Satzung auf die Fahne geschrieben. Der gängige Vorwurf der Kritiker des E-Sports laute, die Computerspielwettkämpfe seien kein Sport. „Von mir aus muss das auch nicht Sport heißen. Aber was ist es dann?“, fragt sich Schölzel. Motorsport oder Schach seien in den Augen anderer auch kein Sport, verteidigt er sich. Darüber hinaus komme es bei E-Sport, wie bei den meisten anderen Sportarten, ebenfalls auf ein taktisches Verständnis, Hand-Augen-Koordinationsfähigkeit und Reaktionsschnelligkeit an.

Eine weitere Kritik, mit der sich der E-Sport konfrontiert sieht, gilt es außerdem zu entkräften. Politiker warnten in der Vergangenheit, bei den Spielen handele es sich um sogenannte „Killerspiele“, die Amok­läufe provozieren würden. Um die Akzeptanz des Sports zu stärken, plant der Verein bereits eine Kooperation mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg sowie Vorträge und Public-Viewing-Angebote in der Unbelehrbar. Die Computerspielfreunde seien ebenfalls in Gesprächen mit der Cottbuser Jugendhilfe, um mit E-Sport-Angeboten die Streetwork zu unterstützen. Auch der bewusste Umgang mit Computerspielen und das Thema Computerspielsucht sind Schölzel und seinen Freunden wichtig. Ein Verein zur Suchtprävention habe sogar schon Kontakt zu ihnen aufgenommen.

Die E-Sportler haben auch langfristige Ziele. „Eines Tages möchte wir gern ein Team aus Cottbus in der Liga haben“, wünscht sich Schölzel. Wichtiger seien aber erst einmal eigene Vereinsräume, um Jugendlichen einen Anlaufpunkt bieten zu können. Nächste Woche wird die Satzung des Vereins von einem Notar beglaubigt. Dann gehen die notwendigen Unterlagen zur Anmeldung in das Vereinsregister zum Amtsgericht. „Wir hoffen, die Vereinsgründung dieses Jahr abzuschließen“, sagt Schölzel. Ab Januar wolle der Verein dann weitere Gespräche mit der Stadt und der Jugendhilfe führen.

Mehr: www.cottbusesports.de