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Naziverbrechen
Groß Gaglower bangen um ihre Häuser in der jüdischen Siedlung

Renate und Karl Homer haben Post vom Bundesamt für offene Vermögensfragen bekommen. Die Jewish Claims Conference fordert die Herausgabe des Grundstücks. Nun wollen die Homers klagen.
Renate und Karl Homer haben Post vom Bundesamt für offene Vermögensfragen bekommen. Die Jewish Claims Conference fordert die Herausgabe des Grundstücks. Nun wollen die Homers klagen. FOTO: dpa / Michael Helbig
Cottbus. Die Homers bangen um ihr Grundstück. Einst hatten dort die Nazis Juden verjagt. Von Daniel Schauff

(dsf/abr) In Groß Gaglow brodelt es schon eine ganze Weile. Mehrere Eigentümer könnten ihre Häuser verlieren, die sich auf dem Grund und Boden ehemaliger jüdischer Siedler befinden. 1935 war die jüdische Siedlergemeinschaft verjagt worden. Nach über 80 Jahren könnte das alte Unrecht noch einige Einwohner ihre Häuser kosten.

Karl Homer bekam es kürzlich schwarz auf weiß vom Bundesamt für offene Vermögensfragen: Er soll sein Grundstück an die Jewish Claims Conference (JCC) zurückgeben – und das, obwohl er und seine Frau seit Mitte der 1970er-Jahre in dem Haus in dem Cottbuser Ortsteil Groß Gaglow leben. Homers Vater war Ende der 1930er-Jahre aus Süddeutschland nach Cottbus gekommen, hatte eine Parzelle in der Siedlung von der Gemeinnützigen Siedlungs- und Treuhandgesellschaft gekauft, wenig später auch eine zweite gleich neben seinem Grundstück. Dort steht nun das Haus der Homers. Aber nach Ansicht der JCC nicht rechtmäßig.

Anfang der 1930er-Jahre hatte die Jüdische Landarbeit GmbH aus dem einstigen Rittergut in Groß Gaglow 29 Siedlerparzellen gemacht. Mit Landwirtschaft und Obstbau sollten sich jüdische Familien neue Existenzen aufbauen. Dann kamen die Nationalsozialisten und schließlich die Vertreibung. Die verlassenen Flächen gingen an die Gemeinnützige Siedlungs- und Treuhandgesellschaft, von ihr kaufte Homers Vater auch das Grundstück, das nun zurückgegeben werden soll.

Familie Homer ist nicht die einzige Familie, die in Groß Gaglow betroffen ist – das Bundesamt hatte angekündigt, dass vermutlich insgesamt drei Grundstücke in Groß Gaglow herauszugeben sein werden. Zwei weitere Groß Gaglower Grundstücksbesitzer warten noch auf die Post vom Bundesamt.

Ortsvorsteher Dieter Schulz hat einen Brief an den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Innenminister Horst Seehofer geschrieben – den zweiten bereits. „Wenn hier in Jahren der Naziherrschaft gegenüber den jüdischen Eigentümern Unrecht geschehen ist, dann muss aus unserer Sicht die Bundesrepublik für die Entschädigung aufkommen“, heißt es in dem Schreiben. Eine Antwort gibt es bislang noch nicht.