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Barbarafeier
Bergleute trotzen stürmischen Zeiten

Für musikalische Glanzlichter bei der Barbarafeier sorgte das Orchester Lausitzer Braunkohle.
Für musikalische Glanzlichter bei der Barbarafeier sorgte das Orchester Lausitzer Braunkohle. FOTO: LR / Angelika Brinkop
Cottbus. Um den Schutz der heiligen Barbara wurde vermutlich noch nie so oft gebeten, wie bei der Barbarafeier der Leag in diesem Jahr. Am Dienstagabend feierten die Bergleute mit knapp 2000 Teilnehmern den Tag der Schutzpatronin in der Cottbuser Stadthalle.

Angesichts der öffentlichen Diskussionen zum Klimaschutz sehen sich auch die Lausitzer Bergleute immer öfter angefeindet und an den Pranger gestellt. Das wurde auch auf der Barbarafeier deutlich und trübte etwas die Feierlaune.

Rückendeckung erhielten sie unter anderen von den Ministerpräsidenten aus Brandenburg und Sachsen, Dietmar Woidke (SPD) und Michael Kretschmer (CDU).

„Klimanationalismus hilft uns nicht weiter“, betonte Woidke angesichts der Ankündigung der polnischen Nachbarn noch lange Zeit auf die Kohle zu setzen. Neben der aufgeworfenen Frage, woher wir in 20 Jahren den Strom beziehen, der in der Lausitz nicht mehr produziert wird, machte Woidke deutlich, was eine Steigerung des Strompreises nicht nur für die privaten Verbraucher, sondern vor allem für die Industrie bedeute.

Von der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung fordert Woidke verlässliche und verbindliche Zusagen, um Strukturbrüche zu vermeiden. Er möchte, dass die Lausitz zu einer europäischen Modellregion für Klimaschutz und Wirtschaftswachstum entwickelt wird. „Möge die heilige Barbara uns beistehen, damit wieder Vernunft in die deutsche Energiepolitik einziehe“, rief er den Bergleuten zu.

Michael Kretschmer wollte die Melancholie etwas brechen und Mut machen. Er lobte die neuen Eigentümer der Leag, die gekommen sind, um zu bleiben und dabei sind auch neue Geschäftsfelder nach der Kohle zu erschließen. Er machte deutlich, dass er kein Verständnis dafür habe, dass Geld in die Hand genommen wird, um rentable Arbeitsplätze abzubauen.

Leag-Vorstand Helmar Rendez beklagte, dass das Kohle-Geschäft noch nie so von Politik überlagert war wie heute. „Die Lausitz zahlt den Preis für eine verfehlte Energiepolitik“, so seine Kritik. Hier lege man Anlagen still, die man in anderen Ländern gefeiert würden. Er machte auch seinem Ärger Luft, dass in der Auseinandersetzung von Kohlebefürwortern und Kohlegegnern die Rechtsstaatlichkeit außer Kraft gesetzt werde. Der permanete Rechtsbruch durch Anti-Kohle-Aktivisten sei nicht hinnehmbar und setze den sozialen Frieden aufs Spiel.

Als Überraschungsgast zur Bar-
barafeier kam Schauspieler und Sänger Alexander Scheer nach Cottbus, der in dem Film „Gundermann“ die Hauptrolle der Lausitzer Liedermachers und Baggerfahrers verkörpert hat.

Leag-Mitarbeiter hatten den laufenden Tagebaubetrieb umorganisiert und so der Filmcrew ermöglicht, im Tagebau Nochten zu drehen. „Es war unglaublich, einmal selbst auf so einem gigantischen Bagger in der Kanzel zu sitzen und zu sehen, was das mit einem macht“, schwärmte Alexander Scheer. Und er zollte den Bergleuten Respekt: „Ich weiß jetzt, wie frische Kohle in der Morgensonne duftet. Es ist eine anständige  Arbeit und ich ziehe meinen Hut vor der Leistung.“