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Ausstieg aus der Braunkohle
Block F hat jetzt Bereitschaftsdienst

Blockführer Axel Franz sorgte am vorigen Sonntag für das Herunterfahren des Blockes F im Kraftwerk Jänschwalde.
Blockführer Axel Franz sorgte am vorigen Sonntag für das Herunterfahren des Blockes F im Kraftwerk Jänschwalde. FOTO: Frank Hammerschmidt
Jänschwalde/Cottbus. Mit der Abschaltung des ersten von zwei 500-Megawatt-Blöcken des Kraftwerkes Jänschwalde hat am vorigen Sonntag in der Lausitz der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung begon­nen.

(pk/red) Während in der Blockwarte des Kraftwerkes Jänschwalde der Block F in die so genannte Reservestellung gefahren wurde, protestierten Bergleute und Kraftwerksmitarbeiter vor der Cottbuser Stadthalle. 300 Leag-Mitarbeiter räumten dort symbolisch ihre Stühle, um so gegen den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen zu protestieren. Insgesamt müsse mit rund 600 Arbeitsplätzen gerechnet werden, die im Kraftwerks- und Tagebaubetrieb verloren gehen. Die Bezirksleiterin Cottbus der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Ute Liebsch, verwies zudem darauf, dass „der Eingriff der Bundespolitik in ein funktionierendes Energieversorgungssystem“ in der Lausitz etwa weitere 900 Jobs in mittelständischen Betrieben koste, die als Zulieferer, Instandhalter und Service-Partner für das Energieunternehmen arbeiten. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach derweil von einem „Tag, der sehr schmerzt“.

Der Block F des Kraftwerkes wurde übrigens nicht einfach vom Netz genommen, sondern befindet sich für vier Jahre in Sicherheitsreserve – also Bereitschaftsdienst. Denn im Notfall soll der Block innerhalb von zehn Tagen wieder hochgefahren werden und binnen weiterer 24 Stunden mit voller Leistung Strom liefern. Leag-Vorstand Hubertus Altmann versichert: „Wir setzen alles daran, dass der Block im Krisenfall innerhalb von zehn Tagen angefahren werden kann. Das ist unsere Verpflichtung.“ Mit der Konservierung des Blocks betritt das Kraftwerk allerdings Neuland. Bereits am letzten Sonntag war das Trockenbraunkohle-Silo leer. Einer der beiden Kessel ist aus, die Trommeln der Kohlemühlen sind leer. „Ruhe in Frieden“ steht in einen Stahlträger geritzt, daneben ein Kreuz. Durch das schier Rohr-System der Anlage rauschte bereits 18 Tage zuvor ein Konservierungsmittel, das die Korrosion verhindern soll.

Block F ging am 17. November 1988 erstmals ans Stromnetz. Seit März 1989 produzierte er im Dauerbetrieb rund 105 000 Gigawattstunden Strom. Fast 30 Jahre lang deckte er so den Strombedarf von rund einer Million Haushalten.

In den 1990er-Jahren wurde er mit modernster Umwelttechnik nachgerüstet. Von 1994 bis zum Jahr 2014 wurde schrittweise neueste Turbinentechnik eingebaut, sodass der Wirkungsgrad deutlich gesteigert und damit die Kohlendioxid-Emissionen gesenkt werden konnten.

Als Erweiterung des Energiewirtschaftsgesetzes wurde die Sicherheitsbereitschaft am 30. Juni 2016 neben der Netzreserve und der Kapazitätsreserve als weiteres Steuerungsinstrument beschlossen. Sie stellt die letzte Option zur Gewährleistung der Netzstabilität dar. Sie gilt in Deutschland ausschließlich für Braunkohlenkraftwerke, heißt es in einer Mitteilung der Leag. Insgesamt sind von ihr 2700 Megawatt Braunkohlenkraftwerkskapazität betroffen. Diese Leistung entspricht 13 Prozent der gesamten in Deutschland installierten Braunkohlenkraftwerkskapazität, die mit Stilllegung der letzten Blöcke im Oktober 2023 vom Netz gehen soll.

Auch zwei Kraftwerksblöcke in Nordrhein-Westfalen sind am Sonntag in die Reserve gefahren worden.