| 17:06 Uhr

Hobby-Heimatforscher durchforstet akribisch alte Schriften
Der Sysiphos von Wainsdorf

 Hobby-Heimatforscher Gerd Stanigel durchforstet auf der Suche nach Informationen im Mitteldeutschen Marionettentheatermuseum Bad Liebenwerda akribisch tausende Seiten vom alten Liebenwerdaer Kreisblatt um die Wainsdorfer Ortschronik zu ergänzen und zu erweitern.  Foto: Rösler
 Hobby-Heimatforscher Gerd Stanigel durchforstet auf der Suche nach Informationen im Mitteldeutschen Marionettentheatermuseum Bad Liebenwerda akribisch tausende Seiten vom alten Liebenwerdaer Kreisblatt um die Wainsdorfer Ortschronik zu ergänzen und zu erweitern. Foto: Rösler
Wainsdorf/Liebenwerda. Einst soll Sisy­phos, König zu Ko­rinth, laut griechischer Mytho­logie zur Strafe einen Felsblock einen Berg hinauf gewälzt ha­ben, der kurz vorm Gipfel immer wieder runterrollte. Sisyphus­arbeit ist heute Sinnbild für eine kompli­zierte Tätigkeit. Eine sol­che hat jetzt auch Gerald Stanigel aus Röderland übernommen.

Der leidenschaftliche Hobby-Heimatforscher hat im Mitteldeutschen Marionettentheatermuseum Bad Liebenwerda bis zu sechs Stunden am Tag tausende Seiten vom alten Liebenwerdaer Kreisblatt durchforstet; mit dem Ziel die bestehende Wainsdorfer Ortschronik zu ergänzen und bereits bekannte Angaben zu untermauern.

Bis ins Jahr 1832 reichen die Recherchen von Gerald Stanigel zurück. Mehrere, nach Jahrgängen sortierte dicke Bände stehen dem neugierigen Heimatforscher zur Verfügung. Das kleine Wainsdorf ist naturgemäß nur selten vertreten. Entsprechend akribisch muss nach der „Nadel im Heuhaufen“ gesucht werden.

„Ich will sehen, wie sich das Leben im Ort entwickelt hat und welche Begebenheiten wichtig waren. Mit anderen bereits bekannten Fakten ergibt sich dann ein umfassendes Gesamtbild, dessen Lücken immer mehr geschlossen werden können“, so Gerald Stanigel. Wird der Hobby-Heimatforscher fündig, werden die Details abfotografiert und zu Hause am Rechner vom Foto abgeschrieben.

Das urkundlich erstmals 1406 erwähnte Wainsdorf ist zunächst aus Richtung Merzdorf bis in Höhe Kriegerdenkmal gewachsen und dann in Richtung des heutigen Friedhofs weiter ausgebaut worden.

Dabei haben die Wohngebäude nach ihrer Fertigstellung nach und nach Hausnummern erhalten. Erst nach 1952 wurden neue Hausnummern nach der heutigen Regelung vergeben.

Ein großer Wunsch, aber auch eine Herausforderung sei es, so Gerald Stanigel, jedem Wohnhaus per Fotodokument eine Liste der ehemaligen und jetzigen Bewohner zuzuordnen. Stanigel möchte mit seiner Arbeit das Wirken der derzeitigen Ortschronistin Margitta Jahn (74) unterstützen, die seit rund 20 Jahren die Chronik des Ortes führt. Aus ihrer Chronik heraus ist 2006 bei der 600-Jahrfeier von Wainsdorf eine umfangreiche Fotoausstellung entstanden. Zahlreiche dicke Aktenordner hütet Margitta Jahn bei sich zu Hause. Ein Teil steht in der Gemeindeverwaltung.

In Themen getrennt beschreibt die Chronik zum Beispiel die Entstehung der Sportstätten im Ort, der Feuerwehr, die Landwirtschaftsbetriebe und die Firmen.

„Je tiefer man nach gräbt, um so mehr Details kommen heraus, die auch immer wieder neue Themenfelder auftun. Eine unendliche Geschichte“, so der „Wainsdorfer Sysiphos“.