| 14:55 Uhr

Apfelernte hat gewonnen
Sonne lässt die Äpfel früher reifen

Der Obstaufkauf von Äpfeln läuft gegenwärtig überall, wie auch hier in Hohenleipisch, auf vollen Touren. Trotz der langen Trockenheit ist 2018 ein super Apfeljahr.
Der Obstaufkauf von Äpfeln läuft gegenwärtig überall, wie auch hier in Hohenleipisch, auf vollen Touren. Trotz der langen Trockenheit ist 2018 ein super Apfeljahr. FOTO: Veit Rösler
Region. Auch wenn die Landwirtschaft über die Trockenheit und Verluste stöhnt, sieht es bei Obstbauern und Kleingärtnern ganz anders aus. Vor allem die Apfelbäume hängen voll mit Früchten.

Vorfristig mit der Ernte von Lageräpfeln begonnen hat der Obsthof Meier in Klein Gaglow bei Cottbus. „Normalerweise starten wir erst Mitte September mit der Ernte“, sagt Geschäftsführer Henri Meier. Gegenwärtig werden die Sorten Elster und Gala von den Bäumen geholt. Die Hitze haben die Bäume relativ gut überstanden, durch die viele Sonne sind sie besonders süß. „Wir haben lehmigen Boden und dadurch kaum Trockenschäden. Für die Zukunft denken wir allerdings über eine Bewässerung nach“, sagt Henri Meier. Untergrößen und beschädigte Äpfel gehen in die Mosterei nach Hosena. Durch die gute Apfelernte werden wohl auch die Preise für die Verbraucher etwas günstiger werden.

„2018 wird ein super Apfeljahr“, sagt auch Thomas Hentschel, Geschäftsführer im Fruchtsaftbetrieb in Lübbenau. Seit zwei Wochen läuft die Fruchtsaftpresse bei ihm kontinuierlich. „Das Aufkommen ist so hoch, dass wir es gerade noch schaffen, hinterher zukommen“, sagt er. Zehn bis zwölf Tonnen Äpfel verarbeitet er gegenwärtig am Tag. Die Kunden können den Saft gleich mitnehmen, oder ihn bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt. „Bei uns erhält der Kunde für 100 Kilogramm
Äpfel 86 Flaschen zum vergünstigten Preis. Dabei kann er aus verschiedenen Sorten von Apfel, Birne, Kirsch bis zum
Joghurt-Drink frei wählen“, so Thomas Hentschel. Abgegeben werden kann auch Fallobst, „so lange keine Faulstellen dabei sind.“

Bevor das Obst in die Presse geht, läuft es noch über eine Sortieranlage, damit die Qualität stimmt. Die Vielfalt der Apfelsorten, die gemeinsam verpresst werden, macht für Thomas Hentschel den Geschmack aus. Er selbst liebt den Apfelsaft ganz frisch von der Presse, noch bevor er pasteurisiert wird.

Stefan Budischin aus Werben betreibt seit fünf Jahren eine mobile Saftpresse im Nebenerwerb. Auch bei ihm ist der Andrang groß. Bei ihm bekommen die Kunden garantiert ihr eigenes Obst als Saft zurück. Dafür muss man allerdings einen Termin vereinbaren. Am 16. September ist Stefan Budischin mit seiner Presse beim Apfelfest in Willmersdorf vor Ort.

In der Hosenaer Kelterei ist fast das ganze Jahr Obstsaison. „Das beginnt bei uns im Mai mit Rhabarber, dann folgen Beerenobst und Kirschen. Die Äpfel nehmen auch in Hosena den Hauptteil der Vermostung ein. „Die Annahmemenge pro Kunde und die Anzahl der Kunden hat sich in diesem Jahr aufgrund der guten Ernte erhöht“, sagt Geschäftsführer Jan Rolla. Im Moment sei die Mosterei an der Grenze ihrer Möglichkeiten. „Wir werden förmlich mit Äpfeln zugeschüttet“, sagt der Mosterei-Chef. Pro Woche werden aktuell in Hosena 120 bis 150 Tonnen Äpfel verarbeitet. Ein großer Teil des Saftes wird in Tanks steril gelagert und dann im Laufe des Jahres je nach Bedarf abgefüllt. Und damit auch künftige Generationen noch ausreichend Obst zum Vermosten bringen können, hat der Hosenaer Betrieb im vergangenen Jahr begonnen, Bäume für Streuobstwiesen zum gestützten Preis abzugeben. „100 Bäume haben wir im letzten Jahr verkauft, dieses Jahr soll die Aktion fortgeführt werden“, sagt Jan Rolla.

Der Obst- und Gartenbauverein Hohenleipisch öffnet jeden Montag bis voraussichtliche Ende Oktober eine Annahmestelle für Äpfel und Quitten in Zusammenarbeit mit der Bauer Fruchtsäfte. Die Äpfel können gegen Bezahlung abgegeben werden oder die Kunden erhalten für 100 Kilogramm Äpfel 60 Liter Lohnmost verschiedener Sortenzum vergünstigten Preis.

Der Obst- und Gartenbauverein will das Interesse am vorhandenen regionalen Obst wieder wecken. Dazu will er in den nächsten zwei Jahren umfangreiche Maßnahmen zur Wiederbelebung der Streuobstlandschaft um Hohenleipisch durchführen.

Apfel
Apfel FOTO: Roman Samokhin/fotolia / Samokhin Roman