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Musik
Saxophon wird Instrument des Jahres

 Lieben das Saxophon: Silvana Voigt (48) aus Bad Liebenwerda, Carina Zoschke (48) aus Tröbitz, Mario Poppe (63) aus Bad Liebenwerda und David Hessler (14) aus Drasdo (von links). .Hinten stehen Vladimir Kauter (71) aus Herzberg und Agnes Pulang (10) aus Oschätzchen.
Lieben das Saxophon: Silvana Voigt (48) aus Bad Liebenwerda, Carina Zoschke (48) aus Tröbitz, Mario Poppe (63) aus Bad Liebenwerda und David Hessler (14) aus Drasdo (von links). .Hinten stehen Vladimir Kauter (71) aus Herzberg und Agnes Pulang (10) aus Oschätzchen. FOTO: Veit Rösler
Bad Liebenwerda. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton kann es ebenso spielen, wie Silvana Voigt (48) aus Bad Liebenwerda, Carina Zoschke (48) aus Tröbitz, Mario Poppe (63) aus Bad Liebenwerda und David Hessler (14) aus Drasdo: das Saxophon. Es ist zum Intrument des Jahres 2019 gekürt worden.

Insgesamt 60 Musikschüler der Kreismusikschule Gebrüder Graun aus den Bereichen Herzberg, Finsterwalde und Elsterwerda mit Bad Liebenwerda üben regelmäßig auf dem Saxophon. Mit musikalischen Vorkenntnissen dauere es zwei Wochen, bis ambitionierte Musikschüler dem Instrument angemessene Töne entlocken können, meint Musiklehrer Vladimir Kauter (71) aus Herzberg. Für kleine Musikstücke müsse in etwa ein Jahr eingeplant werden.

Mit dem „Instrument des Jahres“ werden Musikinstrumente in den Fokus gerückt, die mehr Beachtung verdienen und für die es schwierig ist, musikalischen Nachwuchs zu finden. Gerade im niedrigen Alter sei es einfach, das Spiel auf dem Saxophon zu erlernen, meint Musikschüler David Hessler. Mit sieben Jahren habe er bereits mit dem Saxophon begonnen, allerdings hatte er da auch schon Erfahrungen mit der Blockflöte. Durch seine Vorkenntnisse sicherlich beflügelt, schätzt David Hessler die einfache Bedienung des Saxophons.

Auch die zehnjährige Agnes Pulang aus Oschätzchen plant von der Blockflöte auf das Saxophon umzusteigen. Das Saxophon–Ensemble übt am Montagabend von 18.30 bis 19.15 Uhr in der Musikschule in Bad Liebenwerda. Sowohl eigene als auch Instrumente der Musikschule kommen zum Einsatz.

Bis zu 16 Musiker kommen in diesem regionalen Ensemble bei kleinen Konzerten zusammen.

Das „Instrument des Jahres“ ist eine 2008 ins Leben gerufene Initiative der Landesmusikräte, bei der neben Brandenburg weitere acht Bundesländer mitwirken. Klarinette, Trompete, Kontrabass, Posaune, Fagott, Gitarre, Bratsche, Horn, Harfe, Oboe und Cello waren bereits Instrumente des Jahres. Diese Instrumente können übrigens ebenfalls in der Musikschule Gebrüder Graun erlernt werden.

Nur ausgefallene Instrumente, wie zum Beispiel der Dudelsack, gehören nicht zum Repertoire. Selbst das Orgelspiel kann hier erlernt werden.

Das Saxophon wurde im Jahr 1840 von dem Belgier Antoine Joseph Adolphe Sax erfunden und sechs Jahre später in Frankreich patentiert. Das konisch geformte Messinginstrument weitet sich zum Ende hin auf, was den deutlichen Unterschied zu ähnlichen Instrumenten ausmacht, wie zum Beispiel zur zylindrischen Klarinette. Da der eigentliche Ton im Innern mit einem Rohrblatt generiert wird, ist das Saxophon der Definition nach eigentlich ein Holzblasinstrument. Das war auch der Grund für dessen Erfindung, denn es fehlte ein Holzblasinstrument in tiefer Lage, das klanglich zwischen dem Warmton der Klarinette und dem durchdringenden Sound der Oboe liegt.

Der Siegeszug des Saxophon begann erst viele Jahre nach der Erfindung mit dem Einzug des Jazz in New Orleans. Durch dessen variablen Klang und den großen dynamischen Umfang entwickelte es sich rasch zum unverzichtbaren Melodie-Instrument des Jazz. Damit liegen über 80 Jahre zwischen der Erfindung des Saxophon und dessen „Siegeszug“ als Jazz-Instrument. Entgegen der landläufigen Meinung ist es somit nicht für den Jazz erfunden worden. Nur eben konnte es sich nicht in der konservativen Konzertmusik behaupten, für die es eigentlich vorgesehen war.

Der zeitliche Unterschied zwischen Erfindung und Aufleben des Jazz sowie der Name seines Erfinders Adolf Sax retteten das Instrument in Deutschland zwischen 1929 und 1933 vor einem Verbot durch die Nationalsozialisten. Emsige Kräfte stellten es mit dem als „Negermusik“ bezeichneten Jazz in unmittelbare Verbindung, was in einem Verbot des Saxophons münden sollte.

Nachforschungen des Reichswirtschaftsministeriums und des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda erbrachten keine zeitlichen Zusammenhänge mit dem Aufleben der „Negermusik“. Aus der Not eine Tugend machend wurde es als wichtiger Bestandteil der Militärmusik glorifiziert und damit sogar gefördert. So hielt es zum Beispiel Einzug in den Musikkorps der Deutschen Luftwaffe.

Während die Jazz-Musik bekämpft wurde, kam das Saxophon in der Tanz- und Militärmusik auch weiterhin zum Einsatz.

Heute wird das Saxophon über den Jazz hinaus erfolgreich in unzähligen Musikrichtungen eingesetzt, insbesondere in Pop, Rock ’n’ Roll und in der elektronischen Musik, als Konzert– und Tanzmusik.