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LUGAU/PLESSA
Plessa oder Lugau

 Kremser des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Plessa auf Tour vor der Alten Kirche im Plessaer Ortsteil Döllingen (F.li.) und ein Blick auf die Lugauer Doppelkirche (re.): Welcher Ort überzeugt und wird Naturparkgemeinde 2019?
Kremser des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Plessa auf Tour vor der Alten Kirche im Plessaer Ortsteil Döllingen (F.li.) und ein Blick auf die Lugauer Doppelkirche (re.): Welcher Ort überzeugt und wird Naturparkgemeinde 2019? FOTO: Veit Rösler
LUGAU/PLESSA. Starker Kontrast für das Naturpark-Kuratorium: Zu Besuch im idyllischen, 435 Einwohner zählenden Lugau und der einstigen Industriegemeinde Plessa mit knapp 2100 Einwohnern.

Dass es in Lugau einen Verein gibt, der Lugau lebt! heißt, sagt eigentlich alles. Was für eine quirlige Einwohnerschaft, wie viele dorfeigene Initiativen, wie viel Herz und Heimatgefühl!

Ortsvorsteher Klaus Rippe hat beim Empfang des Naturpark-Kuratoriums am 3. April auch gar nicht viele Worte gemacht, hat diejenigen reden lassen, die für Dorfentwicklungen verantwortlich zeichnen. Und das alles musste gelingen, weil die Steppkes der Kita Spatzennest sangen: „Es wird ein schöner Tag, weil jeder jeden mag.“ Freilich, wenn es auch das in Lugau nicht gibt – was der Zusammenhalt im Ort bewegt, ist sichtbar.

Da ist vor allem die Umweltgruppe, die ihre Handschrift hinterlassen hat. Mit zahlreichen gepflanzten Bäumen, mit einer gerade entstehenden Bienenwiese, mit dem Naturpfad entlang der Bache. Die Gestaltung des Grabens, der sich naturnah durch den Ort schlängelt, ist einfach zauberhaft.

Und nun wollen die Lugauer dem mit einem Kneipp-Projekt noch die Krone aufsetzen.Oder aber die alte Wassermühle, die dank vieler Helfer vorm Verfall gerettet worden ist. Da helfen die Kameraden der Feuerwehr, ist die Kirchengemeinde rührig, das „Landei“ immer noch der Treffpunkt. Lugau lebt! Und das mit einer stattlichen Latte von Feiern.

Ganz anders ist das Bild, das sich dem Naturpark-Kuratorium bietet, in Plessa. Schon der Lärmpegel ist deutlich höher. Auf der B 169 donnert ein Lkw nach dem anderen mitten durch den Ort. Sieht so eine Naturparkgemeinde aus? Schnell wird klar: Plessa ist einer der Orte im Landkreis, die seit der Wende den größten Wandel durchgemacht haben und machen.

Von der Industriegemeinde, geprägt durch die Kohle, hin zu einem Ort mit vielen kleinen, bemerkenswerten Entwicklungen. Wer weiß schon, dass es in Plessa 1957 die erste Obstbaugenossenschaft gab und dass dort 1200 Apfel-, 7000 Sauerkirsch-, 3200 Süßkirsch- und 400 Birnenbäume wuchsen? Wer kennt die einst vom Bergbau geschundenen Landschaften, die als offene Kippen noch zu sehen sind, die aufgeforstet wurden oder die sich die Natur wieder zurückgeholt hat?

26 Vereine gibt es im Ort.

Die Angler haben die meisten Mitglieder, gefolgt vom Karnevalverein, der Plessa weit über Kreisgrenzen hinaus bekannt macht. Ist es nicht wunderbar, dass nach Jahren der tiefen Einschnitte – fast 1000 Arbeitsplätze gingen verloren – jetzt wieder die Kitas aus den Nähten platzen, weil sich die Einwohner wohlfühlen in ihrem Dorf?

Ortsvorsteher Gottfried Heinicke kommt ins Schwärmen, wenn er vom Engagement der Einwohner spricht. „Wir sind zwar sicher alle bissl dickköpfig, aber wenn gerufen wird und ein Projekt umgesetzt werden soll, sind ganz viele da.“ Bei Christine und Wolfgang Alkier leuchten heute noch die Augen, wenn sie an die imposante IBA-Abschlussveranstaltung denken.

Amtsdirektor Göran Schrey: „Bei uns wächst wieder eine Pflanze im Ort. Mit dem Naturparkwettbewerb wollen wir Einwohner und Vereine noch näher zusammenbringen. Wir würden liebend gern das Naturparkfest ausrichten.“

Und so hat das Kuratorium an diesem Mittwoch zwei ganz unterschiedliche Gemeinden kennengelernt, in denen eins gemein ist: Heimatliebe und Naturverbundenheit. Wer Naturparkgemeinde wird, das wird erst zum Naturparkfest zu Pfingsten in Kraupa bekanntgegeben.

 Die Doppeltürme der Lugauer Kirche sind einzigartig in der Niederlausitz und natürlich sagenumwoben. Foto: Heike Lehmann
Die Doppeltürme der Lugauer Kirche sind einzigartig in der Niederlausitz und natürlich sagenumwoben. Foto: Heike Lehmann FOTO: Heike Lehmann