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Bad Liebenwerda
In Bad Liebenwerda wird aufgestockt

Alida (36) und Rouven Rieger (41) mit ihren Kindern Korbinian (5), Tristan (2) und Jette (7, v.l.) sowie den Rebstöcken.
Alida (36) und Rouven Rieger (41) mit ihren Kindern Korbinian (5), Tristan (2) und Jette (7, v.l.) sowie den Rebstöcken. FOTO: LR / Frank Claus
Bad Liebenwerda. Bad Liebenwerda wird Weinstadt. Nach Gunter Schurig in Lausitz und Rico Leonhardt in Bad Liebenwerda beleben nun Alida und Rouven Rieger den Weinanbau wieder in Theisa.

Jetzt gibt es in Bad Liebenwerda schon drei offizielle Weinanbaugebiete. Seit diesem Monat sind Alida (36) und Rouven Rieger (41) Winzer. Sie haben für Theisa das Rebrecht erworben und auf einem Hektar Wein von Spezialisten für historischen Weinanbau aus Polen anpflanzen lassen. „Exakt 4226 Stöcke haben wir dort, wo es Überlieferungen zufolge schon einmal Weinhänge gab, in den Boden bringen lassen.“ Die Weißweinsorten Elbling und Solaris sowie roter Pinotin, Tauberschwarz und Blauer Arbst sollen dort gedeihen.

Der Industriedesigner und die Hotelfachfrau wohnen in Wolfsburg, Ehemann Rouven hat aber familiäre Bindungen nach Theisa und sagt: „Ich möchte die Familientradition in Theisa wieder beleben.“ Denn Karten von 1848 belegen, dass dort, wo sie sie zu Monatsbeginn wieder aufgestockt haben, bereits früher ein Weinberg existierte. Aus anderen Quellen ist zu erfahren, dass Theisa bereits seit 1499 eine Verbindung zum Weinbau hat. Richard Rieger, der Großvater von Rouven Rieger, erwarb die Hanglage mit dem alten Winzerhaus vom letzten Gutsherren. Das Haus soll das letzte Stampflehmgebäude mit Fachwerkgiebel sein, hat Rouven Rieger recherchiert. Der Familienvater hat daraus einen Zweitwohnsitz gemacht und viel Ursprüngliches beibehalten. Deshalb sind die Riegers mit ihren drei Kindern so oft wie möglich in Theisa. Den Hof ziert ein alter Nussbaum. Er wurde zur Geburt von Vater Wolf Rieger gepflanzt. Der Schattenspender wurde genutzt, um darunter die Bündel Weinreben, die per Post nach Theisa kamen, in großen Trögen vorm Pflanzen noch mal gut zu wässern. Das Winzerhaus gleich nebenan ist längst neuer Dreh- und Angelpunkt für die große Familie geworden. Oberhalb des Hauses am Wald, wo nun die Flächen gerodet sind, lassen sich alte Weinbaustrukturen erkennen – drei Terrassenebenen sind sichtbar. Über das europäische Leader-Programm konnte die junge Familie jetzt Fördermittel zur Umsetzung des wertintensiven Vorhabens in Anspruch nehmen.

Dass die Profis aus Polen die Weinstöcke in die Erde gebracht haben und später auch fachgerecht das Spalier ziehen – „in vielen alten polnischen Gutslagen boomt der Weinanbau“, so Rouven Rieger – soll das Risiko minimieren. Jetzt ist das Bewässern ganz besonders wichtig. Deshalb hoffen Riegers auf Regen.

In Bad Liebenwerda hat zu Monatsbeginn auch Winzer Rico Leonhardt an einem Standort am Ortsausgang in Richtung Oschätzchen aufgerebt. Dort sind 1800 Quadratmeter mit 1150 Reben des Weißen Traminers bestockt worden. Im nächsten Jahr sollen weitere 4400 Quadratmeter mit insgesamt 2400 Reben der Sorten Roter Veltliner, Gelber Kleinberger und Weißer Räuschling bestockt werden. Dabei handelt es sich allesamt um historische Rebsorten, die es schon viele Hundert Jahre gibt. Die Aufrebung ist mit Mitteln aus dem „Land(auf)Schwung“-Projekt bezuschusst worden. Im Jahr 2011 hat Rico Leonhardt auf Flächen an der Schwarzen Elster den Weinanbau in der Kurstadt wiederbelebt.

Das Weingut von Gunter Schurig in Lausitz gibt es jetzt zehn Jahre. Vor 20 Jahren hat er mit seiner Frau die ersten 99 Rebstöcke gepflanzt. Er erwartet eine gute Lese. „Ich habe schon zehn Prozent der Reben weggenommen, um die übrigen Früchte zu stärken.“

Polnische Weinbauer haben die Stöcke in Theisa in den Boden gebracht.
Polnische Weinbauer haben die Stöcke in Theisa in den Boden gebracht. FOTO: LR / Frank Claus