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Plessa
Zwischen Kirche und Kraftwerk

 Weltgästeführertag 2019 in Plessa- In Plessa war Gästeführerin Carola Meißner mit einer Gruppe aus über 40 Gästen zwischen Kirche und Kraftwerk unterwegs. Foto: Veit Rösler
Weltgästeführertag 2019 in Plessa- In Plessa war Gästeführerin Carola Meißner mit einer Gruppe aus über 40 Gästen zwischen Kirche und Kraftwerk unterwegs. Foto: Veit Rösler FOTO: Rösler / Veit Rösler
Plessa. Anlässlich des 100. Jubiläums „100 Jahre Bauhaus“ haben Mühlberg und Plessa mit verschiedenen Aktionen in ihre Orte eingeladen. Unter dem Motto „BAUeinHAUS“ wurde so eine Hommage an das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus begangen. Von Veit Rösler

Gästeführerin Carola Meißner war in Plessa mit über 40 Gästen zwischen Kirche und Kraftwerk unterwegs. Zwar haben Städte und Dörfer in der Region nur wenig Bezug zum Thema Bauhaus, berichtet Carola Meißner. Seit der Bauhausepoche seien hier lediglich sporadisch markante Gestaltungselemente übernommen worden. Kirchen, Behausungen, Häuser und besondere Gebäude wurden aber zu allen Zeiten und in jeder Region gebaut. Bauhütten und Handwerker, die im Mittelalter zunächst an Kirchenbauten und Klöstern beteiligt waren, haben Gestaltungselemente übernommen und später auch in nicht religiöse Gebäude eingebaut.

In Plessa war der Startpunkt der Ortsführung an der Kirche. Carola Meißner berichtet: „Das heute neben Kraftwerk, Elstermühle und Kulturhaus markanteste Gebäude wird 1540 erstmals als eine hölzernen Kapelle ohne Altarschmuck und ohne Altargerät erwähnt. Im Jahr 1776 wird Plessa die Genehmigung zum Neubau einer massiven Kirche erteilt. Aber erst 1792, am 22. März, erfolgt die Grundsteinlegung und im gleichen Jahr am 11. 11. die Weihe der Kirche.“

Beim großen Brand im Jahr 1811 wird auch die Kirche in Schutt und Asche gelegt. Bis auf vier Gehöfte war der Ort vollkommen abgebrannt. Der gesamte Ort musste neu aufgebaut werden. Kaum ein Gehöft ist daher in seiner ursprünglichen Anlage erhalten geblieben, berichtet die Gästeführerin.

Nur drei Jahre später im Jahre 1814, konnte die Kirche wieder geweiht werden. Aus den Jahren 1886 und 1888 sind Blitzeinschläge überliefert, die 1889 zum Einbau einer Blitzschutzanlage führen. Der 24. und 25. April 1945 waren kurz vor Ende des 2. Weltkrieges die schwärzesten Tage in der Geschichte von Plessa. Im Rahmen einer Racheaktion versuchten Sowjetsoldaten, straßenweise jedes zweite Gebäude in Brand zu stecken. Einige Einwohner hatten einer durch das bereits von der Sowjetarmee besetzte Plessa durchziehenden SS-Einheit Hilfe gewährt. Dabei waren sowjetische Soldaten und ein Offizier getötet worden, was zu der Racheaktion führte. In der Kirche Plessa ist auf einer Karte verzeichnet, welche Gebäude 1945 den Flammen zum Opfer gefallen sind.

Gästeführerin Carola Meißner zeigte das Wechselspiel zwischen erhalten gebliebenen Häusern und ortsprägenden Veränderungen durch den Wiederaufbau. So stand am heutigen Standort des Kulturhauses bis 1945 ein Gasthaus mit dem damals größten Saal in Plessa. Viele der großen Bauerngehöfte waren teilweise abgebrannt oder gänzlich zerstört.

Noch bis in die 1960er Jahre gab es im Ort Ruinenreste aus dieser Zeit. Auch die Hauptgeschäftsstraße, die heutige Bahnhofstraße, war großen Veränderungen unterworfen. Mehr als 15 Geschäfte siedelten sich ab 1900 dort an. Werkshäuser und die in den 1920er Jahren entstandene Eigenheimsiedlung zeigen die rasante Entwicklung des Ortes seit Beginn der Braunkohleförderung.