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Auszeichnung
Elbe-Elster ehrt Kultur-Engagierte

Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (3.v.li.) und Kultur-Dezernent Roland Neumann (3.v.re.) bei der Übergabe der Kulturpreise des Landkreises Elbe-Elster an Werner Enigk  (IG „Historisches Feld“ Kolochau, v.li.), Chris Poller, Heide Waschkies, Stephan Creuzburg und Werner Ernst. Anja Heinrich (F.u.), die den Preis im Bereich Kultur erhalten hat, konnte nicht dabei sein. 
Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (3.v.li.) und Kultur-Dezernent Roland Neumann (3.v.re.) bei der Übergabe der Kulturpreise des Landkreises Elbe-Elster an Werner Enigk  (IG „Historisches Feld“ Kolochau, v.li.), Chris Poller, Heide Waschkies, Stephan Creuzburg und Werner Ernst. Anja Heinrich (F.u.), die den Preis im Bereich Kultur erhalten hat, konnte nicht dabei sein.  FOTO: LK EE
Herzberg. Zum 20. Mal sind am 23. Februar im Bürgerzentrum Herzberg die Kulturpreise des Landkreises Elbe-Elster an Bürger vergeben worden, die jahrelang kulturell Heraus­ragendes geleistet haben.

(pm/lsc) Den Preis für Heimatgeschichte erhielt Dr. Rainer Ernst, der über Jahrzehnte hinweg umfangreich zur Geschichte Finsterwaldes, der Region und der historischen Landschaft der Niederlausitz geforscht und publiziert hat. Hervorzuheben ist hier die am Sänger- und Kaufmannsmuseum Finsterwalde herausgegebene Jahresschrift „Der Speicher“, die bereits 17 Auflagen erlebt hat. Als Herausgeber hat er Buchprojekte, wie die Finsterwalder Architekturgeschichte „Genius loci“, betreut.

Daneben stehen Bücher zur Finsterwalder Stadtgeschichte, zu den Finsterwalder Sängern oder zur regionalen Sagenwelt. Von großer Bedeutung sind auch seine Forschungen zur Geschichte jüdischen Lebens in der Niederlausitz. Im Juli 2017 ist Ernst als Leiter des Sänger- und Kaufmannsmuseums Finsterwalde und seit 2015 des Museumsverbunds Elbe-Elster in den Ruhestand gegangen. Er entwickelte das Heimat- zum Spezialmuseum und etablierte es durch  Sonderausstellungen und Veranstaltungen als ein kulturelles Zentrum der Region.

Heide Waschkies hat den Preis für Denkmalpflege 2017 erhalten. Mit ihrem Mann übernahm Heide Waschkies 1994 das seit über 160 Jahren im Familienbesitz befindliche denkmalgeschützte Wohnhaus in der Kirchstraße 15 in Mühlberg/Elbe. 1543 gebaut, zählt es zu den bedeutendsten Bürgerhäusern der Renaissance in Brandenburg. Trotz komplizierter Abstimmungsprozesse zu baulichen und restauratorischen Details ließen sich beide nicht davon abbringen, das Haus als Denkmal zu erhalten. 2001 erfolgte die Fertigstellung.

Der Saal mit Renaissance-Balkendecke wurde an ein Architekturbüro, dann an einen Restaurator vermietet. 2012 wurde der Raum mit 60 Sitzplätzen für eine Konzertreihe geöffnet. Um den gastronomischen Engpass in Mühlberg besonders im Reformations-Jubiläumsjahr entgegenzuwirken, wurde sonntags von Mai bis Dezember ein temporäres Café etabliert, das von Touristen viel besucht wurde.

Die Auszeichnung Preis für Heimatpflege ging an die Interessengemeinschaft (IG) „Historisches Feld“ Kolochau. Seit 2000 widmen sich rund 40 interessierte Bewohner der Pflege dörflicher Traditionen und der Bewahrung landwirtschaftlichen Kulturguts. Geräte und Maschinen für die Feldbestellung, Ernte und Verarbeitung von Agrarprodukten wurden dafür repariert und betriebsfähig gemacht. Die Jeßnigker Agrar GmbH stellte der IG ein brach liegendes Feld an der B 87 zur Verfügung. Im Juli 2001 wurde das erste Garbenfest gefeiert.

2004 überließ die Gemeinde der IG die Herrenhaus-Ruine und das umliegende Gelände. Der Keller des Hauses wurde begehbar gemacht und Präsentationsort für Ausstellungen. Zudem werden auf zwei Feldern Getreide und Kartoffeln angebaut. Die Treppe im Herrenhaus wurde saniert, die fehlende Dielung eingebaut, Fenster und Türen wurden eingesetzt. Im Oktober lockt das Kürbisfest Besucher nach Kolochau.

Mit dem Kunstpreis ehrt der Landkreis den Musikschulpädagogen Chris Poller. Seit 1989 ist sein beruflicher Werdegang mit der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“ verbunden. Zudem studierte er parallel dazu Jazz-Pop-Gesang und Gitarre an der Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ Dresden. Seit 1994 ist Poller Fachbereichsleiter für Popularmusik und konnte etliche seiner Schüler so weit entwickeln, dass diese Studienplätze an einer Musikhochschule belegen konnten. Seit 2000 ist er einmal wöchentlich als Dozent an der BTU Cottbus im Studiengang Instrumental- und Gesangspädagogik tätig.

Aktuell eilt mit den „Heartbreakers“ ein Ensemble von Chris Poller bei Wettbewerben von einem Erfolg zum Nächsten. Mit der Offenen Bühne und der Sommerparty etablierte Poller zwei Veranstaltungen, die einen festen Platz im Veranstaltungskalender der Region einnehmen. Zudem ist Poller Mitorganisator des regionalen sowie internationalen Wettbewerbs um den „Finsterwalder Sänger“. Poller ist Teil der Band „Marble Cake“, die mit ihren Interpretationen von Jazz-Standards, Songs und Rockballaden Zuhörer verzaubert.

Den nicht jährlich vergebenen Kulturpreis des Landkreises Elbe-Elster, der nur verliehen wird, wenn herausragende Aktivitäten in der Kulturarbeit geleistet wurden, haben Stephan Creuzburg und Anja Heinrich erhalten.

Stephan Creuzburg kommt aus einer musischen Familie. Der Vater war Musikwissenschaftler und Germanist. Konzert- und Kunstausstellungsbesuche gehörten zum Alltag. Von 1962 bis 1967 studierte Stephan Creuzburg an der Karl-Marx-Universität Leipzig Pharmazie und begann dann seine Apothekerlaufbahn in Elsterwerda. Die Liebe zu seiner künftigen Frau und das Angebot, Kreisapotheker zu werden, der er auch als jüngster seiner Zunft im Bezirk Cottbus 1971 wurde, bewogen ihn dazu. 1991 hat er „seine“ Apotheke privat übernommen, 1993 erfolgte der Umzug ins heutige Gebäude. Creuzburg war einst Sprecher der Bürgerbewegung und Mitglied des Runden Tisches und gehört dem Beirat der Kleinen Galerie „Hans Nadler“ in Elsterwerda an.

Bei der Kulturkampagne anlässlich des Reformationsjubiläums ermöglichte er das Fotoprojekt der Kirchenlandschaft Elbe-Elster. Auch die Dokumentation über die älteste Kornbrennerei Brandenburgs im Hof des Museums Mühlberg 1547 förderte Creuzburg, der auch den Kultursommers Saxdorf und den Atelierhof Werenzhain begleitet.

Anja Heinrich stammt aus Hohenleipisch und hat an der Fachhochschule Fulda Sozialpädagogik studiert. Viele Jahre war sie im Diakonischen Werk Elbe-Elster tätig. Von 2003 bis 2014 wurde sie kontinuierlich zur Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung Elsterwerda gewählt. Ihre Arbeit überzeugte auch über die Stadtgrenze hinaus – 2008 wurde Anja Heinrich in den Kreistag gewählt, errang 2009 und 2014 für die CDU Direktmandate für den Landtag. Dort war sie unter anderem kulturpolitische Sprecherin und Generalsekretärin der Brandenburger CDU.

Seit Februar 2018 ist sie Bürgermeisterin der Stadt Elsterwerda. Anja Heinrich ist Mitglied im Förderverein des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft und im Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge sowie seit 2010 Vorsitzende vom Heimatverein Elsterwerda und Umgebung, zu dem auch Kleine Galerie „Hans Nadler“ und das Historische Stadtarchiv gehören.

Anja Heinrich setzt sich zudem für Denkmalschutz ein. Den Abriss des Selkmannschen Hauses auf dem Elsterwerdaer Markt konnte sie nicht verhindern, aber das Gärtnerhaus im Schlossareal erhalten.

Als Vorlesepate für Kinder und mit Lesungen in einfacher Sprache will sie Kinder und Menschen, deren Zugang zu Büchern beeinträchtigt ist, fürs Lesen begeistern. Bemerkenswert ist auch der von ihr konzipierte Historische Stadtspaziergang durch Elsterwerda. Große Geschichte im Kleinen, bedeutende Persönlichkeiten der Vergangenheit oder örtliche Baugeschichte bringt sie dort den Teilnehmern nahe.

Anja Heinrich
Anja Heinrich FOTO: PR