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In den Werkstätten der „Louise“
Kreativität entsteht nicht auf Kommando 

DOMSDORF. Kunstlehrer aus ganz Brandenburg kommen zur Sommerwerkstatt nach Domsdorf. Es gibt immer weniger derartige Angebote und deshalb wird die „Louise“ immer beliebter.

 (rmr/bt) Erst kürzlich wurde die Brikettfabrik Domsdorf „Louise“ als Ort der Industriekultur gewürdigt, zudem steht am Wochenende ein Jubiläum aus. Seit 25 Jahren sorgt sich ein Förderverein um die Anlage (Siehe Seite 3)

Kürzlich haben sich die Räume und Werkstätten der Brikettfabrik in Domsdorf sowie der Schülerakademie Elbe-Elster für eine Woche als Anlaufpunkt für Kunstpädagogen und Kunstinteressierte geöffnet. Die Sommerwerkstatt fand zum 20. Mal statt.

 Die 22 Teilnehmer waren ausnahmslos Kunstlehrer. Sie kamen aus allen Teilen Brandenburgs.

Das Motto dieses Jahres hatte Roland Nicolaus ausgegeben: „Die Muse des 21. Jahrhunderts, eine Werbe-Ikone“. Der diplomierte Kunstmaler aus Berlin, der auch zehn Jahre als Hochschullehrer für Malerei tätig war, ist seit 20 Jahren eine der Leitfiguren des Workshops, den er, mit einem leichten Augenzwinkern, als „staatlich anerkannte künstlerische Weiterbildung für Kunstpädagogen“ bezeichnet. Derartige Angebote gab es vor Jahren in der Fläche deutlich mehr. Heute gibt es fast nur noch die Sommerwerkstatt in Domsdorf.

 Die Teilnehmer beschränken sich nicht allein auf Malerei. Auch die Holz- und Metallwerkstatt werden genutzt, ebenso wie die Schmiede. „Die Kombination von Staffelei und praktischer Werkstattarbeit ist hier einmalig“, erklärt Roland Nicolaus. „Das ermöglicht ein umfassendes schöpferisches Arbeiten, einschließlich des Schwingens des Schmiedehammers.“

Für ihn sei wichtig, dass es ein Grundkonzept „geistiger Öffnung“ gebe. Er selbst betont, dass nichts vorgegeben werde. „Es geht nicht darum, was man machen soll, sondern darum, was man machen kann.“

 Dass er dies gut transportiert, bestätigt Lehrerin Ines Jacobi. Sie ist seit Jahren eine aktive Stütze des Projektes. „Er holt einfach jeden ab“, sagt sie und erläutert: „Wir als Pädagogen kommen untereinander viel ins Gespräch. Man entwickelt Ideen und fragt sich dann gegenseitig: Hast du das schon mal mit deinen Schülern ausprobiert oder wie kann man das den Jungen und Mädchen gut vermitteln?“

 Solche Überlegungen sind beispielsweise auch Jana Decker aus Bernau nicht fremd. Mit Kathrin Kopka stellt sie Skulpturen aus Schrott in der Metallwerkstatt her. „In so einer Woche lerne ich immer wieder, dass Kreativität nicht auf Kommando entsteht. Solche Prozesse funktionieren nicht auf Abruf. Genau das will ich auch meinen Schülern weitergeben. Lasst euch nicht entmutigen, wenn es nicht gleich so klappt wie erhofft! Auch Niederlagen gehören zu einem Schaffensprozess.“

Viele Teilnehmer kommen jedes Jahr wieder. Gleichwohl gibt es stets Neulinge. Egal, in welchem Raum: Man spürt ein konzentriertes Arbeiten. Alle Sinne sind auf das jeweilige Projekt gerichtet, sei es das Aquarell, die Skulptur oder die Collage.