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Potsdam/Region
AdeRAR: Brandenburg gehen die Störche aus

Gänse auf dem Storchenhorst von Gisela Christl in Lübben
Gänse auf dem Storchenhorst von Gisela Christl in Lübben FOTO: privat
Potsdam/Region. Am Tag des Artenschutzes am 3. März  haben sich zum 6. Weißstorchtag Brandenburgs rund 60 Storchenbetreuer und Interessierte auf Einladung des Naturschutzbundes (Nabu) im Potsdamer Haus der Natur getroffen. Kaum eine Vogelart wurde und wird so gut und so langfristig beobachtet wie der Weißstorch. Und so konnten die Fachleute neben aktuellen Ergebnissen der vergangenen Storchensaison, auch die Entwicklung seit 1934 bis heute verfolgen und Vergleiche mit anderen Bundesländern ziehen.

Am Tag des Artenschutzes am 3. März  haben sich zum 6. Weißstorchtag Brandenburgs rund 60 Storchenbetreuer und Interessierte auf Einladung des Naturschutzbundes (Nabu) im Potsdamer Haus der Natur getroffen. Kaum eine Vogelart wurde und wird so gut und so langfristig beobachtet wie der Weißstorch. Und so konnten die Fachleute neben aktuellen Ergebnissen der vergangenen Storchensaison, auch die Entwicklung seit 1934 bis heute verfolgen und Vergleiche mit anderen Bundesländern ziehen.

 Grundlage dafür liefern die vielen ehrenamtlichen Betreuer in Brandenburg, die die Weißstörche im Land seit 1979 systematisch beobachten und die Daten akribisch zusammengetragen.

Bernd Ludwig, langjähriger Leiter der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz im NABU Brandenburg stellte fest, dass das Jahr 2017 mit 1274 Horstpaaren in etwa dem Durchschnitt der vergangenen Jahre entspricht. Allerdings haben die Störche deutlich weniger Junge großziehen können. So konnten nur von 858 Brutpaaren erwachsene oder flügge Jungen erfasst werden. Damit hält der Negativtrend weiter an – positiv sticht lediglich das Storchendorf Rühstädt heraus, wo im Vorjahr 30 Jungstörche das Erwachsenenalter erreicht haben.

Waren es in den Jahren 2010 und 2011 noch im Schnitt 2,13 und 2,04 flügge Jungen pro Storchenpaar, die den Horst verlassen haben, so sind es aktuell nur noch 1,54 Jungstörche, die sich im Herbst auf die weite Reise in den Süden gemacht haben. Ursachen sind neben der immer geringer werdenden Nahrungsverfügbarkeit auch Wetterereignisse haben 2017, ein besonders nasses und regenreiches Jahr, hohe Verluste gefordert. Dabei spielten die Gewitter Anfang im Juni und Juli mit Starkregen und Sturm eine entscheidende Rolle.

In dieser Zeit sind die noch nicht vollständig befiederten Jungen bereits so groß, dass sie von den Altvögeln nicht mehr ausreichend gewärmt werden können und kühlen bei niedrigen Temperaturen innerhalb ein bis zwei Tagen aus, was schließlich zum Tode führt.

Hinzu gekommen ist, dass die Weißstörche, die nach Brandenburg fast alle über die östliche Zugroute gelangt sind, im Frühjahr 2017 sehr unterschiedlich aus dem Winterquartier eingetroffen sind. Die ersten waren normal Ende März/Anfang April hier, andere kamen erst Mitte April bis Mitte Mai. Dadurch schritten viele Storchenpaare erst gar nicht zur Brut. Auch die Nahrungsbedingungen waren durch  Trockenheit zunächst sehr schlecht – Regenwürmer als Hauptnahrung im Frühjahr waren tief in der Erde, Insekten konnten sich nicht entwickeln, Amphibien und Wühlmäuse sind ohnehin selten geworden.

Hinzu kommen die großen, nahrungsarmen Monokulturen (Mais, Raps, Getreide, Spargel), in denen durch die intensive Bewirtschaftung und die flächendeckende Anwendung von Pestiziden keine Wildpflanzen, weniger Wildtiere und somit auch keine Nahrungstiere für Störche mehr zu finden sind.

Neben der Vorstellung der Ergebnisse ihrer Arbeit, diente die Tagung auch dazu, die Kreis- und Regionalbetreuer des NABU für ihr zum Teil jahrzehntelanges Engagement im Weißstorchschutz zu würdigen. Unermüdlich zählen die Kreisbetreuer des NABU jährlich die Storchennester, ermitteln nach international gültigen Vorgaben den Bruterfolg und die Nachwuchszahlen und halten Kontakt zu Anwohnern, Behörden und Energieunternehmen. Dabei arbeiten die ehrenamtlichen Storchenschützer eng mit den Artenschützern im Landesumweltamt und der Staatlichen Vogelschutzwarte zusammen.

Außerdem erhalten und renaturieren sie die Lebensräume der Störche und bauen oder reparieren Nistunterlagen. Doch nicht nur bei den Störchen wird ausreichender Nachwuchs vermisst, auch die Naturschützer würden sich über neue Mitstreiter freuen.

Der Weißstorch ist Wappenvogel des NABU. Brandenburg ist vor Mecklenburg-Vorpommern das storchenreichste Bundesland.